Effi Briest

Premiere: Freitag 6.März
Theater Münster
Regie und Textfassung: Gregor Tureček
Bühne und Kostüm: Juliette Collas
Musik und Sounddesign: Constantin John
Dramaturgie: Monika Kosik
Regisseur Gregor Tureček und Ausstatterin Juliette Collas schaffen mit Großaufnahmen der Live-Kamera und grandiosem Bühnenkitsch eine moderne Kunstwelt, in die sich die Dialoge aus Fontanes Roman erstaunlich gut einfügen. Schauspielerin Eva Dorlass macht die Entwicklung der Heldin auf faszinierende Weise erlebbar. Um sie herum schart Tureček punktgenau skizzierte Typen und erzeugt eine stimmige Balance zwischen berührenden und komischen Momenten. Er holt Effi auf eine Weise ins Heute, die weit weg von einer bloßen Fontane-Bebilderung führt. Und das ist spannend.

(Münstersche Zeitung vom 8.3.2020)

Dass wir diese Geschichte noch immer nicht los sind: Junges Mädchen heiratet mächtigen Mann. Es geht schief. Das Mädchen trägt die Konsequenzen. Am Theater Münster ist „Effi Briest“ nach dem Roman von Theodor Fontane zu sehen, eine Version, die das Standesdenken und den sozialen Ehrgeiz aus der Vorlage ins Heute übersetzt. Regisseur Gregor Turecek nutzt als modernes Äquivalent die Bilderflut der Generation Instagram. Bei ihm tummeln sich Poser, Mädchen mit Schmollmund, und Instetten gibt in seiner Wahl-Kampagne einer Bloggerin ein Video-Interview. Dabei wird überwiegend in der Sprache des Romans gesprochen, ein Bruch, der gut funktioniert. Eva Dorlass in der Titelrolle ist der Mittelpunkt der poppigbunten Bilder, sie verleiht Effi eine naive Ehrlichkeit, eine ungläubige Freude am Leben, die sie abhebt von den schrägen Gestalten um sie herum. Passend gibt‘s am Schluss eine Wutrede. Effi geigt dem Publikum die Meinung. Es reicht. Frauen müssen sich für nichts entschuldigen, und „unser Platz ist nicht in einem Scheißschaumbad“. Richtig so, Schwester. Traurig, dass all die weibliche Wut über männliche Bevormundung noch immer einen aktuellen Sound hat.

(Der Westfälische Anzeiger vom 9.3.2020)

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