Romeo und Julia

Nordharzer Städtebundtheater, Großes Haus

Premiere: 15. Oktober 2016

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Es wird munter kopuliert, Klamauk fabriziert, gebrüllt, geschweinigelt, Übermut ausgelebt und gekämpft. Das Publikum erlebt einen prallen Shakespeare-Abend mit Spielwitz, derben Worten und mit Textverschiebungen, die Turecek seiner Botschaft aus dem 21. Jahrhundert unterordnet: Die Welt ist geteilt in Superreiche, deren Finanzirrsinn auf den Vorhang produziert werden, und den 99prozentigen Rest der Welt.

Gregor Tureček, der mit „Am Horizont“ in der vergangenen Spielzeit einen glänzenden Regie-Einstieg am Nordharzer Städtebundtheater hinlegte, kapriziert sich in seiner Romeo- und-Julia-Sicht nicht allein auf Klassenkampf. Sondern er schafft es, Sinnlichkeit und zärtliche Szenen zwischen den beiden Liebenden zu schaffen, obwohl immer wieder Gefahr fürs junge Glück lauert. Konsequent erspart der Regisseur Darstellern wie Zuschauern ein Übermaß an romantisch-kitschigen Verrenkungen.

Herausgekommen: Drei Stunden Sicht auf Shakespeare aus dem Fokus einer globalisierten Welt und eine starke Ensemble-Leistung. Das Reclam-Heft zum Mitlesen kann sich der Besucher bei Tureček sparen.

(Mitteldeutsche Zeitung, 17.Oktober 2016)


Die Herausforderung wurde mit größter Spielfreude und Musikalität gemeistert, auf der Bühne war ständig Bewegung und Leben. Tureček fand eine kluge Lesart für die Feindschaft zwischen den beiden bestimmenden Geschlechtern in Verona. Es geht nicht um kleine Rangeleien und Raufereien zwischen zwei gelangweilten Herrscherhäusern, es ist eindeutig mehr: Hier die 99 Prozent der „kleinen“ Leute, dort das eine Prozent der Superreichen. Diese erbitterte Sicht ist stringent im ersten Teil der Tragödie. Im zweiten Teil führt die Liebe durch große Missverständnisse geradewegs zum Tod von Romeo und Julia. Man glaubt ihnen unbedingt ihre übergroße Liebe und Leidenschaft – ergreifende Bilder der todtraurigen Geschichte.

 

(Volksstimme, 24.Oktober 2016)

Regie: Gregor Tureček
Kampfchoreographie: Franziska Deutscher
Ausstattung: Andrea Kaempf
Dramaturgie: Sebastian Clar



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